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Barrierefreies Internet

Sogar Blinde surfen im Internet: sie benutzen dabei spezielle Vorlesegeräte – sogenannte Screenreader – oder Braillezeilen, die den Text in Braillezeichen darstellen. Für Blinde ist es wichtig, dass alle relevanten Informationen auch als Text vorliegen, außerdem muß man auf eine leichtverständliche Navigation achten.

Weitaus größer ist die Gruppe der Sehbehinderten – und auch komplizierter in Bezug auf die Bedürfnisse der Einzelnen. Oft genügt es, wenn die Schrift vergrößerbar ist, manchmal müssen aber auch spezielle Kontraste vorhanden sein. So können manche Leser besser hellen Text auf dunklem Grund lesen als umgekehrt und ein weißer Hintergrund kann sogar schmerzhaft blenden. Die Betroffenen stellen sich dann zumeist eigene Farbkontraste im Betriebssystem ein oder nutzen Userstylesheets. Es allen Betroffenen recht zu machen, ist unmöglich, dennoch sollte immer auf eine skalierbare Schriftauszeichnung sowie auf ausreichende Kontraste zwischen Vorder- und Hintergrundfarbe geachtet werden. Zudem sollte die Seite auch mit benutzerdefinierten Farben funktionstüchtig bleiben.

Neben den Sehbehinderungen schränken auch motorische Behinderungen das Surfen im Internet ein. Viele Menschen können zum Beispiel keine Maus benutzen und sind auf Alternativen (spezielle Trackballs, Tastatur oder gar Sensoren am Kopf) angewiesen. Daher sollte eine Webseite leicht navigierbar sein und keine Mausakrobatik erfordern.

Barrierefreies Internet bedeutet aber noch mehr: es muß auch die Vielzahl der heutigen Ausgabegeräte bedacht werden. Gab es früher eigentlich nur Desktopcomputer mit recht einheitlichen Monitoren, so gehen viele heute auch mit Handys oder beispielsweise Subnotebooks mit hochauflösendem Display ins Internet. Letztere stellen die Seiten dann sehr klein dar, so dass der Text oft schwer lesbar ist. Eine Webseite sollte mit all diesen Geräten zugänglich und lesbar sein, sowie selbstverständlich auch mit den unterschiedlichen Browsern.

Weiterführende Links im deutschsprachigen Raum:

Zur Autorin:

Teresia Kuhr ist Ärztin an einer Neurologischen Rehabilitationsklinik und beschäftigt sich in ihrer Freizeit mit standardkonformem und barrierefreiem Webdesign. Ein Projekt ist CSS4you.

Info:
Barrierefreies Internet ist Beitrag Nr. 16
Autor:
Teresia Kuhr am 4. Dezember 2005 um 22:00
Kategorie:
Adventskalender 2005

Kommentare

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  1. 1.

    Klasse Artikel. Vielleicht noch ein paar Zahlen zu den von Euch angesprochenen Menschen mit Behinderungen. Innerhalb der EU gibt es ca. 37 Millionen Menschen mit verschiedensten Arten von Behinderungen, von leichten Behinderungen ( bspw. Sehschwächen) bis hin zu schweren Behinderungen ( bspw. Blindheit oder Mehrfachbehinderungen). Des weiteren nimmt der Anteil älterer Menschen ( auch Silversurfer genannt, Nutzer über 50 Jahren) an der Gesamtbevölkerung stetig zu. Derzeit sind zirka 20 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre alt und die Zahl ist bekanntlicherweise stark steigend. Barrierefreiheit sollte gerade auf Grund dieser Umstände, mehr in den Vordergrund gestellt werden.

    Kommentar by Heiko - 5. Dezember 2005 um 11:55

  2. 2.

    Barrierefreiheit zielt nicht nur auf Menschen mit Behinderungen ab. Auch nichtbehinderte Menschen können durch Verbesserungen der Barrierefreiheit einen Vorteil erlangen – dies wird leider aufgrund des Begriffes oft außer acht gelassen.
    Und auch eine weitere, nicht-menschliche Benutzergruppe, die durchaus zu der Gruppe der Blinden zugeordnet werden kann, bleibt häufig unerwähnt: die Suchmaschine.

    Kommentar by Markus Wulftange - 12. Dezember 2005 um 10:52

  3. 3.

    @Markus: sorry dass ich da widerspreche, aber in .de wird der Begriff der "Barrierefreiheit" vom Gesetzgeber definiert (im �4 BGG) und bedeutet:

    "Barrierefrei sind [...] Systeme der Informationsverarbeitung, [...] wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind."

    Das barrierefreie Webinhalte (eventuell) auch auf einem PDA darstellbar sind, ist ein netter Nebeneffekt, aber nicht das Ziel der Bestrebungen. Es gibt sicherlich Schnittmengen zur allgemeinen Usability, zu Dingen wie Geräteunabhängigkeit etc. Aber die Vereinfachung auf angeblich blinde Suchmaschinen bedeutet, die Barrierefreiheit auf ein rein technisches Problem zu reduzieren – was sie mitnichten ist.

    Kommentar by Tomas Caspers - 19. Dezember 2005 um 14:08

  4. 4.

    Natürlich ist der Begriff der Barrierefreiheit insbesondere aufgrund der Gleichberechtigung von Behinderten entstanden. Jedoch wollte ich darauf hinweisen, dass nicht nur Behinderte Probleme mit "Systemen der Informationsverarbeitung" haben können, sondern auch nichtbehinderte Menschen.
    Dass dies mit dem Begriff der Barrierefreiheit nicht unter einen Hut gebracht werden kann, ist Auslegungssache. Im Englischen ist dies unter dem Begriff "accessibility" (also Zugänglichkeit, Erreichbarkeit) zusammengefasst, was ich persönlich eigentlich besser finde.

    Kommentar by Markus Wulftange - 19. Dezember 2005 um 23:39

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