Im Laufe der Zeiten erlebe ich eine zunehmende Unschärfe bei der Verwendung von Begriffen wie Webstandards, Barrierefreiheit, Zugänglichkeit, Benutzbarkeit, Validität und ähnlichen. Sie werden unsortiert und unreflektiert in Diskussionen eingebracht und erzeugen häufig nur noch Verunsicherung oder gar Unverständnis.
Ist denn eine valide Seite nun barrierefrei? Oder eine standardkonforme Site zugänglich? Oder benutzbar?
Vielleicht liegt es an den englischen Urbegriffen "Usability – Validity – Accessibility" und dem Interpretationsspielraum bei ihrer Übersetzung. Vielleicht wird auch einfach nur zuviel drüber geredet. Oder sucht man einfach nur mehr Platz für Inkonsequenz, so daß man vielleicht doch nur 'ein bißchen valide', oder 'ein bißchen standardgetreu', oder auch 'ein bißchen barrierefrei' sein könnte?
Es an der Zeit, sich einfach mal von diesen ganzen Schlag- und Reizworten zu lösen und die ganze Thematik auf etwas simplere Prämissen zurück zu führen. Persönlich mache ich mir das im Moment recht einfach:
Damit reduziert sich das Ganze auf zwei Gesichtspunkte, die definiert und berücksichtigt werden wollen:
Die Betrachtung einer Website aus technischer Sicht
Standardkonformität ist eine notwendige Vorbedingung für eine barrierefreie Seite, aber für sich allein noch nicht ausreichend. Standards werden durch die Spezifikationen vom W3C definiert.
Zum Aufbau eines standardkonformen Angebots gehören:
Bei der konsequenten Trennung von Inhalt und Design wird ein Dokument mit einer ausgeprägten logischen Struktur erstellt. Was inhaltlich zusammengehört, ist auch ohne Hilfsmaßnahmen als zusammengehörig erkennbar, das Dokument bleibt unabhängig von der visuellen Darstellung verständlich.
Die visuelle Darstellung der Inhalte wird über zentrale Formatierungsanweisungen geregelt, die außerhalb des eigentlichen Dokuments abgelegt werden (können).
Zusätzliche funktionale Erweiterungen können dem Dokument beigefügt werden, solange sie die Zugänglichkeit der Inhalte nicht behindern.
Die Betrachtung einer Website aus konzeptioneller Sicht
Barrierefreiheit wird durch die "Richtlinien zur Zugänglichkeit" (WCAG – Web Content Accessibility Guidelines, die Vorlage für die BITV – Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) geregelt.
Merkmale einer barrierefreien Website sind u.a.:
Der Sinn von Barrierefreiheit besteht eben nicht darin, Seiten zu bauen, die sich an der Zugänglichkeit für vermeintliche Randgruppen orientieren. Dies hieße, Barrierefreiheit auf einen behindertenpolitischen Teilaspekt zu reduzieren. Barrierefreiheit als Konzept orientiert sich an den Bedürfnissen ALLER denkbaren Benutzergruppen, bedeutet weitestmögliche Zugänglichkeit für alle Anwender, unabhängig von körperlichen oder sonstigen Einschränkungen.
Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ausführliche Infos finden sich in der BITV und der einschlägigen Literatur zur Benutzbarkeit und Zugänglichkeit (Usability und Accessibility). An dieser Stelle geht es mir lediglich darum, die Begriffe "Webstandards" und "Barrierefreiheit" voneinander abzugrenzen.
Ralph G. Schulz arbeitet als freier Webentwickler, Dozent und Autor in Berlin. Sein Hauptprojekt im Web ist die Plattform barrierefrei.e-workers.de, mit Infos und Tutorials zum Thema CSS, Barrierefreiheit und Webstandards.
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Dem kann ich nur zustimmen
mfg informatikkurs 11 burggymnasium
Kommentar von Erik - 1. September 2006 um 14:42
Klasse Artikel, alle Achtung. Hilft kurz und knapp Klarheit zu schaffen.
Kommentar von Gamelexi - 21. September 2006 um 17:03
Wie wärs mit folgender kurzen Erklärung? Webstandard, Usability und Barrierefreiheit haben viel gemeinsam. Die Webstandards sind die Grundlaage. Ohne Einhaltung der Standards kann es keine gute Usability und Barrierefreiheit geben. Andererseits kann es durchaus passieren, dass man für die Usability der Barrierefreiheit mal nicht-standard-konormen Quellcode verwenden muss.
Kommentar von ff-webdesigner - 27. November 2006 um 14:05
Top Artikel, kurz und kanpp aber aussagekräftig. thx.
Kommentar von kiwi - 8. Oktober 2007 um 18:47
Sehr schön zusammengefasst, hab ich gleich mal für ein Referat verwendet, danke!
Kommentar von Nils - 22. November 2007 um 21:43
obwohl schon etwas älter der Artikel, trotz alledem sehr Informativ und zutreffend. danke
Kommentar von Andreas - 10. Dezember 2007 um 00:55
Hallo, habe diesen informativen Artikel gefunden, beim Suchen von gegensätzlichen Konzepten zur Barrierefreiheit und der Standardkonformität.
Beispielsweise bin ich immer davon ausgegangen, dass der Tabindex mit negativen Werten als barrierefrei zu sehen ist. Da manche Validatoren dies aber nicht als standardkonform durchgehen lassen, wäre diese Methode nach dem Artikel von Herrn Schulz dann nicht mehr barrierefrei.
ps. sehr interessante Webseite – wede mich hier mal umsehen
Kommentar von Elmar - 11. März 2008 um 06:18