Eine Konvention (v. lat.: conventio = Übereinkunft, Zusammenkunft) ist eine nicht formal festgeschriebene Regel, die von einer Gruppe von Menschen aufgrund eines Konsens eingehalten wird.
In Bezug auf Webdesign liegen neben technischen Konventionen (oder Standards) unter anderem Konventionen vor, die Bedienbarkeit und Benutzerfreundlichkeit (Usability) adressieren. Sie haben ihren Ursprung in der Praxis, oftmals durch entweder Applikationen oder andere Online-Angebote „inspiriert“. Größere Verbreitung von bestimmten Vorgehensweisen, wie zum Beispiel das Hervorheben oder Plazieren von Seitenelementen, sorgt gewissermaßen für Übereinkunft und damit Konventionen.
Popularität von Vorgehensweisen und Designlösungen im Webdesign muss zwar nicht unbedingt die effizientesten, effektivsten und auch angenehmsten Lösungen hervorbringen, bringt jedoch mit sich, dass Benutzer nach und nach mit diesen vertraut werden und entsprechende Erwartungen aufbauen, und besitzt den Vorteil, dass sie mit Etablierung der jeweiligen Konvention schneller und leichter zum Ziel kommen. Und so begründet sich und steigt die Wichtigkeit von Usability-Konventionen.
Die nächsten Abschnitte beschreiben ein paar Beispielkonventionen, Erfahrungswerte und Daumenregeln, die ein Webdesigner unabhängig von allgemeiner Usability-Heuristik kennen sollte. Diese Sammlung ist recht frei gehalten und legt eine tolerante Definition von Konventionen zugrunde; eine striktere Auslegung, die beispielsweise mehr als 50 % Verbreitung als Konvention und mehr als 80 % als De-facto-Standard annimmt, findet sich beispielsweise bei Jakob Nielsen (1999).
Das im Laufe der Zeit „reifer“ gewordene Internet hat relativ schnell Konventionen hinsichtlich der Plazierung von Seitenelementen hervorgebracht. Vom „Software Usability Research Laboratory“ der Universität von Wichita (Kansas, USA) wurde bereits 2001 untersucht, wo Benutzer bestimmte Seitenelemente erwarten. Anfang 2005 wurde die Studie nochmals durchgeführt. Ohne auf die weniger deutlichen Unterschiede zwischen 2001 und 2005 einzugehen, wurden folgende mehrheitliche Nutzererwartungen ermittelt:
Vor allem Jakob Nielsen propagiert in regelmäßigen Abständen Grundregeln zur Kennzeichnung von Links, die jedoch durchaus als Konventionen wahrgenommen werden können und sollten. Seine Richtlinien zur Darstellung von Links (2004) legen nahe, Links (zu):
Und:
Ergänzung zur Unterstreichung von Links: Auch wenn Web-Usability-Experten wie Jared Spool auf die Erfahrung verweisen, dass Linkunterstreichung nicht erforderlich ist, solange Links als solche erkennbar sind, kann man Benutzern das Leben definitiv einfacher machen, wenn man eine solche alte, „native“ Konvention in seiner Arbeit als Designer oder Entwickler beherzigt.
Analog haben sich einige Konventionen für Formulare und Formularelemente herauskristallisiert.
Auch wenn die Definition einer Konvention hier lax erfolgt, sollte (nochmal) deutlich werden, warum sie hilfreich sind, und gleichzeitig, welche zu den anerkannteren im Webdesign gehören. Gegenbeispiele finden sich in großer Zahl; eine populäre Plattform für viele Konventionsbrüche ist immer noch Flash, das nicht nur im Jahr 2000 zu vielen kontraproduktiven Designabweichungen führte, hauptsächlich in bezug auf Standardinteraktionselemente (Formularelemente und Scrollbalken).
Jens Meiert (Webdesign mit CSS) jongliert primär für die Berliner Agentur Aperto, wird aber auch mit dem W3C und anderen Organisationen in Verbindung gebracht. Wenn er nicht gerade praxisnahe CSS-Experimente verbreitet, verschifft er Poster von leichtbekleideten Damen nach Lesotho.
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Kommentar-Feed für diesen Beitrag
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Dieser Beitrag hat uns wieder einmal gezeigt, dass wir mit unserer Seite immernoch nicht ganz fertig sind. Die Darstellung von Links fand bislang nicht die notwendige Aufmerksamkeit.
Kommentar by finanzdoctor - 8. Dezember 2006 um 07:26
Herr Nieslen predigt glaube ich seit den 90ern immer wieder das Gleiche runter – und es langweilt irgendwie. Der Mensch liebt zwar die Konvention, damit er sich leichter und unekannter Umgebung zurechtfinden kann. Aber er ist nicht völlig verblödet – ok, Ausnahmen bestätigen wie immer….
Das Wichtige an Usability ist doch nicht, daß man die Konvention einhält, die sich irgendjemand mal ausgedacht hat oder die x % der Testpersonen in den ihnen vorgelegten Beispielen für angenehm empfunden haben. Das Wichtige ist die Schlüssigkeit des eigenen Konzeptes. Jede klare Struktur erlaubt es jedem, sich zurecht zu finden. Man schaue sich nur einmal unter dem Stichwort Piktogramme ein paar dieser netten Bilderbücher an, in denen die alle aufgelistet werden. Da gibt es zig klare Lösungen für immer das gleiche Problem. Dürfte es nach Herrn Jensen ja nicht geben – denn der Mensch erkennt angeblich einen Link nur an seinem Unterstrich. Das würde ich schon eher unter Diktatur der Bürokratie einordnen.
Kommentar by .carsten - 8. Dezember 2006 um 10:47
Ich muss Carsten recht geben, auch wenn Herr Nielsen sicherlich viele wichtige und gute Informationen zur Steigerung der Usability veröffentlicht hat, so fängt es wirklich an zu langweilen.
Aber wie dem auch sei, guter Artikel Jens!
Kommentar by Webdesign-Blog - 8. Dezember 2006 um 15:56
In guten Lösungen stehen Schlüssigkeit und Konventionen nicht gegeneinander.
Schließlich beschreiben Konventionen meist das, was sich über einen längeren Zeitraum für die Mehrzahl der Benutzer als schlüssig herausgestellt hat. Neue Entwicklungen können es notwenig machen, Konventionen zu überdenken. Aber ein neues System, dass etablierten Konventionen entgegensteht, wird es immer sehr schwer haben – egal wie schlüssig es in sich ist.
Zu den Icons und Links zwei Beispiele aus unserer Praxis:
Die Verwendung eines Mobiltelefon-Icons an Stelle eines klassischen Telefonhörers (als Symbol für "Rufen Sie uns an") führte zu deutlich niedrigeren Erkennungsraten bei den Benutzertests.
Auf der Seite http://www.enob.info führte die Unterstreichung der Titel in den Boxen auf der Startseite zu einer Erhöhung der Klickzahl auf diese Elemente um einen zweistelligen Prozentsatz! Das zeigt, dass Benutzer tatsächlich die Unterstreichung als sehr wichtigen Hinweis auf einen Link verstehen.
I.ü. wird bei Benutzertests i.d.R. nicht abgefragt, was Testpersonen als "angenehm" empfinden, sondern womit sie sich bei der Erledigung von Aufgaben zurecht finden.
Gruß, Kai
Kommentar by Kai Laborenz - 8. Dezember 2006 um 16:03
Zweistellige Przentzahl hört sich erstmal richtig imposant an – fragt sich nur von welcher Basis aus diese erfolgt sind.
Zudem halte ich diese Seite gerade für ein Beispiel untergestalteter Seiten. Wenn ich mir die Unterstriche wegdenke, habe ich den Eindruck von gleichwertigem Text – egal ob das nun eine Überschrift oder ein Textlink ist. Der Fehler in diesem System ist, daß man zwei Kategoreien in einen Topf wirft, von ihnen aber verlangt, daß sie unterschiedliche Funktionen haben sollen. Unterschiedliches muß schon unterschiedlich bleiben, damit ich den Nutzer nicht verwirre.
P.S. Was ist denn inhaltliche der Unterschied zwischen "angenehm empfinden" und dem "zurecht finden bei der Erledigung der Aufgaben"? Was einem angenehm ist, erscheint einem i.d.R. auch nachvollziehbar und das ist doch das, was man hier will – oder wie?
Kommentar by .carsten - 8. Dezember 2006 um 17:01
Die Basis waren mehrere hundert Klicks auf die Elemente (vor der Änderung).
Ich kann Dir nicht ganz folgen: Meinst Du, dass die Überschrift (oben, fett und farbig hinterlegt) mit dem "weiter"-Link (nicht fett und unten rechts) verwechselt werden kann?
Abgesehen davon habe ich ja gerade dafür argumentiert, dass man die Unterstriche nicht weglassen soll.
Der entscheidende Unterschied ist, dass das erstere eine subjektive gefilterte Wahrnehmung ist ("erscheint angenehm") und das zweite eine objektive Tatsache (Aufgabe ist erledigt oder nicht), die man testen kann.
Oft fallen Benutzern Usability-Probleme gar nicht selbst auf, weil sie nicht einmal merken, dass z.B. eine bestimmte Funktion zur Verfügung steht. Oder sie merken nicht, dass sie einen Fehler bei der Bedienung gemacht haben (drastisches Beispiel: ein Mailformular erfordert das Aklicken eines Häkchens, um tatsächlich abgesandt zu werden. Es wurde aber vergessen, eine entsprechende Fehlermeldung einzubauen. Benutzer füllt Formular aus, klickt auf Absenden und ist zufrieden. Tatsächlich aber ist die Aufgabe nicht erledigt).
Kommentar by Kai Laborenz - 9. Dezember 2006 um 11:38
Was mir an Ihrem Artikel sehr gut gefallen hat, ist der Bezug auf Konventionen und Erwartungen. Ich beschäftige mich seit Jahren professionell mit dem Thema Usability und habe bereits viele Test und Optimierungen durchgeführt. Und mittlerweile erscheint mir die virtuelle Welt der Realität immer ähnlicher. Bei der Entwicklung des Internet beobachte ich sogar eine Art der Evolution, die der realen ausgesprochen nahe kommt. Die Rahmenbedingungen sind unterschiedlich, der Prozess ist der gleiche. In der Realität gibt die Natur die Rahmenbedingungen vor, im Netz das Medium und die Benutzer. Und durchsetzen konnten sich immer nur die Angebote, die sich am Besten angepasst haben. Spannend ist, dass nun genau diese Websites, die die virtuelle Selektion überlebt haben, nun die Surferfahrung prägen und Erwartungen schaffen.
Das Thema Konventionen beschäftigt mich auch auf meiner Website zum Thema Usability, die ich quasi aus der Not heraus publiziere, da es im deutschsprachigen Raum nur wenig hochwertige Tutorials im Bereich Usability gibt.
Kommentar by Hansjörg Rampl - 26. Mai 2007 um 07:19
Interessanter Gedanke, da ist wohl was Wahres dran – auch wenn nicht funktionierende Websites online vielzu gute "Überlebenschancen" haben, was zu einer "etwas anderen" Selektion führt. Die "Online-Evolutionstheorie" hat dementsprechend ein etwas anderes Gesicht.
Während man zudem weiterhin mit Bedauern feststellen muss, dass viele Informationen im deutschen Informationsraum gar nicht oder nicht ausreichend verfügbar sind, ist umso schöner, festzuhalten, dass sich einige bemühen, dies zu ändern. Und das sage ich nicht aus Eigennutz (beispielsweise aufgrund eigener Übersetzungen), sondern vielmehr, um dazu zu ermutigen, wenigstens bekanntes Wissen zugänglich zu machen.
Kommentar by Jens Meiert - 26. Mai 2007 um 10:22