Zum Inhalt springen

Webkrauts: Für mehr Qualität im Web.

Artikel

Neustart

Wenn der Computer nicht mehr auf den Nutzer reagiert oder mit Sachen ausgelastet ist, nach denen niemand gefragt hat, dann ist es an der Zeit für einen Neustart. So ähnlich war's wohl auch bei der HTML-Arbeitsgruppe des W3C.

Jetzt wurde endlich der bereits angekündigte Neustart der Arbeitsgruppe vollzogen. Web-Miterfinder Tim Berners-Lee meint dazu: HTML hat klein angefangen, mit strukturiertem Markup, ohne Lizenzbedingungen und mit der Möglichkeit, alles mit allem zu verlinken. Diese Einfachheit und Offenheit hat mehr als alles andere zum enormen und dauerhaften Erfolg von HTML geführt. […] Es ist an der Zeit, den Standard wieder aufzugreifen und zu sehen, was wir tun können, um die Anforderungen der heutigen Community zu erfüllen, und das effektiv mit Beteiligung der Browserhersteller und auf eine transparente und offene Art und Weise.

Damit ist es offiziell: HTML wird auf der Basis von HTML4 weiterentwickelt, ohne radikale Brüche, sondern möglichst kompatibel zur gängigen Praxis und zu bestehenden Implementierungen. Ob der angesetzte Zeitraum bis 2010 allerdings realistisch ist sei mal dahingestellt. Die FAQ der WHATWG, auf deren Arbeit die neue Spezifikation in weiten Teilen beruhen wird, gehen eher von einem Zeitraum von 15 (!) Jahren aus, wenn wirklich alle Formalien des bürokratisierten W3C eingehalten werden.

Der Prozess ist nun weitestgehend offen angelegt und mitmachen darf jeder, der sich dazu berufen fühlt und der den sechsstufigen Bewerbungsprozeß übersteht. Wie das Mitmachen funktioniert ist in den Instructions for joining the HTML Working Group beschrieben. Weitere Berichterstattung zum Thema an anderer Stelle:

Info:
Neustart ist Beitrag Nr. 179
Autor:
Tomas Caspers am 8. März 2007 um 18:13
Kategorie:
Allgemeines

Kommentare

Bitte die Hausregeln beachten. Alle Kommentare werden auf werbliche Links/Nicknames geprüft und gegebenenfalls gelöscht.

  1. 1.

    Verdammt, ich hätte geglaubt/gehofft, dass zehn Jahre eine realistische Zeitspanne sei, bis die Welt vergessen hat, dass es einmal HTML gab.

    IMHO gilt in Sachen Barrierefreiheit, dass überholte Standards zu vermeiden sind, und HTML kann wohl heute guten Gewissens darunter gezählt werden. Nun warten wir zehn bis fünfzehn Jahre und können/sollen dann wieder offiziell die font-Tags benutzen, für die es mittlerweile seit ca. 10 Jahren eine Alternative gibt? Total uncool. Der Standard wäre meinem Empfinden nach seiner Zeit 20 Jahre hinterher.

    Kommentar von Raven - 10. März 2007 um 16:43

  2. 2.

    "… ohne radikale Brüche, …" finde ich selbst sehr sehr wichtig, falls man eine Chance haben will. Brüche sind zumindest ohne Brücken / Gateway immer ein Problem.

    Man kann schlecht jemanden zu seinem Glück zwingen, naja gut eine firma aus Redmond hat schon die scheinbare Kraft dazu, aber selbst hier achtet man bisher den Kunden/Nutzern keine zumindest offensichtlichen Hürden in den jeweils nächsten Versionen aufzuerlegen. Sind die Hürden zu groß, verzichtet man auf die neue Version oder geht alternative und leichtere Wege.

    Kommentar von Max - 13. März 2007 um 11:45

  3. 3.

    überholte Standards

    Au, damit gräbst du dir aber selbst das Wasser ab. Mal angenommen, neue Browser-Versionen würden immer nur die neuste (X)HTML-Version unterstützten, dann hätte es selbst mit XHTML 1.0 Strict schon seit einiger Zeit sein Bewenden. Wir könnten uns dann nur die allerneusten Websites ansehen, während sich das Recherchieren nach älteren Beiträgen erledigt hätte. Das ist aktive Datenvernichtung, das ist etwa so, als müsse man heute alle Bücher vernichten, die noch in der alten Rechtschreibung gedruckt wurden und damit nicht dem neusten Standard entsprechen.

    Einer der genialsten Gedanken von HTML war/ist die Auf- und Abwärtskompatibilität mittels einer einfachen Regel: Browser sollen alle Tags, Attribute, Style-Angaben usw. ignorieren, die sie nicht kennen. Nur dadurch war es überhaupt möglich, dass in alten Browsern z.B. das NOSCRIPT-Tag und der Alternativ-Inhalt von OBJECT-Tags funktioniert hat, obwohl sie diese Tags noch gar nicht kannten. Nur dadurch ist es möglich, dass moderne Browser auch alte Webseiten vollständig les- und benutzbar anzeigen, selbst wenn sie irgendwo noch ein FONT-Tag enthalten sollten.

    Der Sinn dieses Kompatibilitätsgedankens war es, das im Web gesammelte Wissen bis möglichst weit in die Zukunft verfügbar zu halten. Es muss auch in 50 Jahren noch möglich sein, ein heute verfasstes Web-Dokument zu lesen – so wie es heute nach 5000 Jahren noch möglich ist, babylonische Tontafeln zu lesen.

    Und damit genau das möglich bleibt, wurden Standards geschaffen. Wer ein Dokument in "veraltetem" HTML 4.01 (oder gar 3.2) verfasst hat, soll sich darauf verlassen können, dass es auch in Zukunft lesbar bleibt. Damit zukünftige Browser dies auch ermöglichen, brauchen sie nur die DOCTYPE des Dokumentes zu ermitteln und den entsprechenden Parser "einzuschalten", den der dort angegebene Standard verlangt – Fertig. Andernfalls sind auch XHTML 2 und HTML 5 nicht zukunftssicher. Und XHTML 3 und HTML 6 ebenfalls nicht.

    Unter Barrierefreiheit und Zugänglichkeit verstehe ich was anderes.

    Und ob HTML 4.01 oder das B-Tag nun uncool ist ober nicht, ist mir sowas von schnurz und piepe. Es ist noch kein Browser, noch kein Screenreader und noch kein User an einem FONT-Tag gescheitert. Dies könnte sich ändern, wenn das Prinzip der Kompatibilität (Toleranz durch Ignoranz) aufgegeben wird. Dann würden die Browser der Zukunft eines Tages auch ein "hypercooles" XHTML-2-Dokument nicht mehr anzeigen. Und die Nachwelt würde leider auch nicht mehr nachlesen können, wer als erster auf diese dumme Idee gekommen ist.

    Die Losung muss also lauten: Ein Standard, der einmal beschlossen wurde, muss für alle Zeiten gültig bleiben. Basta.

    André

    Kommentar von André - 13. März 2007 um 21:03

  4. 4.

    Hallo,

    was mich wundert, ist die Tatsache, das 5 mal mehr Leute Freude daran finden, sich mit den Quelltexten von 4 grossen Zeitungen zu beschäftigen, als sich zu diesem wichtigen Thema hier zu äussern. Dabei ist das für mich DIE Meldung des Jahres.

    Mir ist klar, dass das hier kein Forum für "Homepagebastler" ist. Wenn wir jedoch über Standards sprechen, müssen auch die Bedürfnisse dieser Gruppe beachtet werden. Die wollen EINE Sprache haben, in der sie ihre Seiten standardgerecht erstellen können. Und auch diese Leute wollen die Möglichkeit haben, ihre Inhalte übersichtlich anzuordnen, Schrift zu formatieren und etwas Farbe in ihre Seiten zu bringen.

    Wenn überhaupt zu den Nachteilen von CSS-Design und -Layout Stellung genommen wird, liest man oft von einer "steilen Lernkurve". Nicht jeder hat die Zeit oder die Lust dazu, diese Lernkurve zu absolvieren oder das Geld, seine Seiten von professionellen Agenturen oder Webworkern erstellen zu lassen.

    Deshalb finde ich die Rückbesinnung auf HTML in Ordnung. Ich hoffe nur, dass das modernisierte HTML die Sprache für den Amateur bleibt, und nicht alle Designelemente im Zuge der Modernisierung (in Richtung Trennung von Inhalt und Gestaltung) gestrichen werden.

    So wie ich das gelesen habe, ist auch eine XHTML 2 Working Group in Planung, die möge sich mit den Bedürfnissen der Profis befassen und die Basis für modernes, professionelles Webdesign mit (X)HTML und CSS bereitstellen.

    Kommentar von GE - 14. März 2007 um 09:19

  5. 5.

    Es ist ja schon erschreckend, dass XHTML2 und die CSS3-Module bereits seit Ewigkeiten in Bearbeitung sind und keine Aussicht auf eine Fertigstellung in Sicht ist, aber nun XHTML und HTML gleichzeitig weiter zu entwickeln, halte ich für einen Fehler.

    Es hätte gereicht, aus dem geplanten XHTML 2 einfach XHTML 3 zu machen und XHTML 2 aus den HTML 5-Arbeiten zu entwickeln und rückwärtskompatibel zu halten.

    Wieso haben nur so viele Angst vor XHTML? Man soll es weiter als "text/html" ausliefern lassen können (wegen IE) und gut ist's.

    Kommentar von Thomas S - 14. März 2007 um 21:07

  6. 6.

    Die Meldung zur Weiterentwicklung von HTML4 schockiert micht etwas. Das ist so als ob VW ankündigen würde, den Golf I mit einem Facelifting zur versehen und wieder zu verkaufen.
    Ich bin alles Andere als ein Profi, ehr ein "Homepagebastler". Ich finde XHLML nicht sonderlich kompliziert. Durch die Trennung von Inhalt und Gestaltung empfinde ich die XHTML-Datei als wesentlich lesbar.
    Vielleicht sind das einfach nur Vorurteile wie "XHLML ist XML und XML ist kompliziert".
    Wie kann man nur solche Vorurteile beseitigen? Auf keinen durch die jetzt erfolgte Aufspaltung des Entwicklungsprozesses.

    Kommentar von FrankF - 15. März 2007 um 09:58

  7. 7.

    @André:

    Selbstverständlich meine ich ausschließlich die Seite der Autoren. Clients müssen und werden hoffentlich immer rückwärtskompatibel sein, hier geht es doch nur darum, welche Regeln für das Verfassen von neuen Dokumenten gelten.

    Kommentar von Raven - 16. März 2007 um 11:32

  8. 8.

    Rückwärtskompatibilität muß schon gewährleistet sein, aber wenn bis jetzt noch nicht einmal sämtliche Vorgaben von HTML4 umgesetzt worden sind, was bringt dann eine Weiterentwicklung…

    Kommentar von Robert - 21. März 2007 um 23:56

  9. 9.

    @Raven: Ich halte die Tendenz, Tags und Attribute in neuen Standards wieder abzuschaffen, für bedenklich. Anstelle des UL-Tags für Navigationsmenüs wäre das MENU-Tag aussagekräftiger, ebenso das DIR-Tag z.B. für Linklisten. Ich brauche auch das wrap-Attribut in TEXTAREAs – alle Browser unterstützen es "heimlich", aber Standard ist es immer noch nicht. Warum das target-Attribut das Abendland bedroht hat, weiß ich auch nicht. Da manche auch das style-Attribut sowie das STYLE-Tag für Ketzerei halten, schwant mir nichts gutes.

    Was bekommen wir dafür zum Ausgleich? META- und BR-Tags müssen mit / "geschlossen" werden (als ob sie jemals irgendwas geöffnet hätten), einstmals leere Attribute müssen sich nun selbst als Wert enthalten (was semantischer Schwachsinn ist), die offizielle Frameset-Syntax hat mit der Browser-Praxis nichts zu tun, der Inhalt eines Style- und Javascript-Elementes muss mit abenteuerlichen Kommentaren eingeleitet und beendet werden, als ob das type-Attribut (und das Tag selbst sowieso) nicht ausdrücklich sagt, was es enthält.

    In meinen Augen ist das beamtenhafte Kleinkrämerei, deren Überflüssigkeit man am besten daran erkennen kann, dass wir bisher sehr gut ohne sie ausgekommen sind. Ich bin einfach nicht bereit, sowas wider besseren Wissens gutzuheißen.

    André

    Kommentar von André - 4. April 2007 um 22:13

Kommentarfeed Kommentar-Feed für diesen Beitrag

Die Kommentarfunktion ist zur Zeit leider deaktiviert.

Anmelden | © Webkrauts 2005-2010 | powered by Wordpress