Sicher, Sprache lebt, Sprache entwickelt sich. Im Laufe der Jahrhunderte gehen einige Worte zum Beispiel schlichtweg unter; wer weiß etwa, dass das Wort »Poetenkasten« den Hinterteil des Kopfes meinte oder »doppelherzig« durch das einfachere »falsch« verdrängt wurde. Auf der anderen Seiten entstehen ständig neue Worte, sei es nun »googeln« oder »sitt«.
Vielleicht gilt die begrenzte Lebenszeit von Worten auch für Satzzeichen. Vielleicht sterben auch Satzzeichen irgendwann aus? Punkt, Komma und Gedankenstrich sind aktuell nicht gefährdet, aber ich nehme immer weniger Doppelpunkte und vor allem Semikolons – zu neudeutsch: Strichpunkt – wahr. Dabei finde ich es immer schade, sich in seinen Möglichkeiten zu beschränken. Unterbewusst benutzt ein Mensch ohnehin schon ziemlich wenig Worte, warum sollte ich mich auch bewusst um einige Satzzeichen bringen?
Möglicherweise leiden beide Satzzeichen nur unter allzu vorsichtigen Schreibern? Nach dem Motto: Lieber Punkt oder Komma benutzen, bevor man sich mit Semikolon oder Doppelpunkt auf unsicheres Terrain begibt. Dabei sind die offiziellen Regeln, die der Duden hergibt, nicht so kompliziert wie einige Kommaregeln.
Laut Duden steht der Doppelpunkt vor:
Der Doppelpunkt ist noch einfach zu handhaben. Vor wörtlicher Rede setzt ihn noch ziemlich jeder. Vor Angaben und Aufzählungen sehe ich ihn immer seltener. In der Aufzählung oben habe ich ihn auch nur gesetzt, weil es möglich ist, nicht weil ich musste. Vor Schlussfolgerungen ist er jedoch so gut wie nie zu sehen.
Das Semikolon kann – ebenso im Duden nachzulesen – zwischen gleichrangigen Sätzen oder Wortgruppen stehen, wo der Punkt zu stark, das Komma zu schwach trennen würde. Es kann auch verwendet werden, um zusammengehörige Gruppen in Aufzählungen zu markieren.
Das Semikolon ist recht frei einzusetzen; wer kommt schon auf die Idee, groß zu diskutieren, ob zwei Sätze eher durch Komma, Semikolon oder Punkt getrennt werden müssen? Der Autor wird schon wissen, wie stark oder schwach er zwei Wortgruppen trennen will.
Und selbst, wenn man ein Satzzeichen falsch genutzt wird. Was soll’s? Immer noch besser, als ganz darauf zu verzichten, meine ich.
Für alle, die sich ab und zu einen Text aus den Ärmeln schütteln müssen oder sich in ihrem eigenen kleinen Blog austoben, mag sich der Newsletter des Duden lohnen. Dort steht dann ab und zu auch was über Doppelpunkte oder Semikolons.
Nicolai Schwarz arbeitet als selbstständiger Allrounder in Dortmund. Dort bastelt er hauptsächlich an Logos, Webseiten und Flash-Spielen für kleine Unternehmen. Dank journalistischer Erfahrungen textet er auch ab und zu, sei es für sein launiges Blog oder für Kunden. Er wartet gespannt auf den Tag, an dem es die Worte »irgentwie« und »ebend« in den Duden schaffen.
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Das ist das erste Mal, dass ich mir aufgrund eines Artikels einen Newsletter bestelle; hätte ich doch nie damit gerechnet, das einmal zu tun… ;
(Naja, im eMail Format zumindest nicht, RSS ist was anderes)
Und außerdem ganz wichtig: Standard wird mir "d" geschrieben!
Kommentar von Marvin - 23. Dezember 2007 um 00:14
Ich wusste gar nicht, dass der Duden einen Newsletter hat, aber werd ihn mir gleich mal anschauen, danke fuer den Tipp.
Gibt es eigentlich eine gute und kindgerechte Erlaeuterung wie man Kommas richtig einsetzt? Ich hab' da naemlich eine riessen Schwaeche drin.
Danke im Voraus
Kommentar von Patrick - 23. Dezember 2007 um 01:05
Komma immer dann, wenn du zwei Satzteile trennen möchtest. Oder wenn der Leser eine kurze Gedankenpause machen soll, bzw. beim Vorlesen kurz mal Schlucken darf
Die genauen Regeln für die Rechtschreibung sind mir nach der Reform der Reform der Reform eigentlich ziemlich schnuppe; ich habe sogar das Verhalten einiger großer Tageszeitungen begrüßt, wieder zum "daß" zurückzukehren.
Just my 2 cent
Dominik
Kommentar von Dominik - 23. Dezember 2007 um 03:02
Semikolons? Nee, Semikola!
Kommentar von Daniel Reckling - 23. Dezember 2007 um 07:25
Wenn wir schon beim Thema Rechtschreibung sind. Mir fällt auf, dass zusammengesetzte Hauptwörter immer mehr untergehen, oder Leute vergessen haben, was das überhaupt ist. Zum Beispiel hier auf der A1-Seite: http://www.a1.net/musikfreizeichen. Sollte es nicht "Musikfreizeichen" heißen? Man schreibt doch auch "Klingelton" und nicht "Klingel Ton".
Bei englisch-deutschen Kombinationen gehört, soweit ich weiß, ein Bindestrich: "Web-Entwicklung" statt "Web Entwicklung".
Kommentar von Karl - 23. Dezember 2007 um 09:41
Danke! Selten genug, dass sich jemand mit Fragen der vielfältigen Möglichkeiten der Interpunktion und auch der Grammatik einsetzt.
Mehr noch, da auch dieses Thema m.E. zum weiteren Bereich des standardkonformen Webdesigens gehört: Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion sind Aspekte der Struktur eines Dokuments mit erheblichem Einfluss auf dessen Semantik.
Ich nutze übrigens inzwischen auch wieder häufiger das Semikolon, gerne auch Gedankenstriche; selbstverständlich Doppelpunkte, wo sie hingehören und in meiner gesamten Schulzeit war ich sowieso absoluter Meister in Kommasetzung.
Kommentar von Boris - 23. Dezember 2007 um 10:31
Genau. Ab und an muss eine Lanze für den rechten Umgang mit der Sprache gebrochen werden. Ich ertappe mich auch manchmal dabei, vor Sorge vor den halbherzigen Einsatz eines Wortes oder Zeichens, dieses erst gar nicht einzusetzen: mehr Mut, ihr Schreiber!
Beim angesprochenen Standard stutzte ich auch immer wieder; hatte ich doch irgendwo gelesen, dass beide Schreibarten anzuwenden sind. Jedoch besagte mir ein erneuter Blick in den Duden (20.Auflage, anno 1991 21.Auflage, 1996 -auch schon alt), dass es nur den Standard gibt. Danke.
Kommentar von Ingo - 23. Dezember 2007 um 10:33
Moin!
In die Liste der bedrohten Satzzeichen gehört auf jeden Fall auch der Gedankenstrich, den die Typographen als Halbgeviertstrich bezeichnen. In den meisten Fällen, wo ein Gedankenstrich (immerhin) gemeint ist, sieht man heute den Trennstrich (Divis) – der wiederum immer öfter dort wegfällt, wo er eigentlich hingehört. Neulich auf der Wurstpackung:
Land
Rauch
Wurst
Schönen vierten Advent wünscht
Carsten.
Kommentar von Carsten Witt - 23. Dezember 2007 um 11:20
@Daniel Reckling:
Natürlich schlage ich solche Sachen beim Schreiben selbst im Duden nach. Und in meinem Duden (23. Auflage) steht: Semikolon, das; Plur. -s u. …la
Kann man also handhaben wie man will.
Kommentar von Nicolai Schwarz - 23. Dezember 2007 um 15:52
Semikola klingt irgendwie nach einer ostdeutschen koffeinhaltigen Brause. Ansonsten ein sehr schöner Artikel, der mich an bewegende Aufrufe von Harald Schmidt erinnert.
Kommentar von Ansgar - 23. Dezember 2007 um 20:48
Wer sein Wissen um Kommaregeln aufpolieren will: hier entlang, bitte.
Was mir massiv auffällt – neben schrecklichen Rechtschreib- und Grammatikfehlern – ist das „Plenken“; eine Unart, die sich mehr und mehr im Web verbreitet. Ich kann sowas nicht nachvollziehen.
Kommentar von datenkind - 24. Dezember 2007 um 12:44
Gedankenstriche waren vor ein paar Jahren groß in Mode. Wer sich nicht mehr dran erinnert, wie sie eingegeben werden: Unter Windows geht das mit ALT und 0150. Gleich mal testen: –; geht mit dem Ziffernblock.
Kommentar von Harald - 19. Januar 2008 um 02:22
Im ersten Moment klang das Thema etwas "altmodisch", aber viele Menschen scheinen sich wieder an die Regeln der deutschen Sprache zu erinnern. Und wenn die eigene Zielgruppe anspruchsvoll ist, sollte man doch sehr auf diese kleinen Qualitätsmerkmale achten.
Für mich persönlich regt dieser Artikel zum nachdenken an, obwohl ich weiß, dass Texte und deren Struktur eine Schwäche von mir sind
Aber was sagt ein bekanntes Sprichwort: "Übung macht den Meister". In diesem Sinne.
Ralph
Kommentar von Ralph - 13. April 2008 um 21:14