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Webkrauts: Für mehr Qualität im Web.

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Webkongress Erlangen/Nürnberg 2010

Artikel

Der Umgang mit standardbefreiten Kollegen

10. Türchen des Webkrauts-Adventskalenders

Jeder Webdesigner und -entwickler wird regelmäßig mit der Arbeit »standardbefreiter« Kollegen konfrontiert. Für die meisten Kollegen stehen die Gestaltungsfragen an erster Stelle und damit weit vor den technischen Qualitäten einer Webseite. Auch in vielen Agenturen spielen Frontend-Experten eine geringere Rolle als Art-Direktoren oder Konzepter.

Kollegen und Grafikdesigner ohne große Webkenntnisse orientieren sich in ihren Entscheidungen immer an den klassischen Prinzipien und Vorgehensweisen der Printmedien. Je länger sie im Geschäft sind, umso verwirrender wird euer Hinweis sein, dass diese Vorgehensweisen nicht automatisch mit den Vorgaben des Mediums Web vereinbar sein sollen.

Wird die Qualität eine Website durch die Unkenntnis oder Ignoranz solcher Kollegen gefährdet, müsst ihr als Webentwickler oder -designer handeln, das sollte zwingend zu Eurem Selbstverständnis gehören. Viele Webworker begehen den Fehler, zuerst den Kunden auf die Probleme hinzuweisen, ohne den betreffenden Kollegen anzusprechen. Dieses Vorgehen ist aber riskant: Projektleiter und erst recht Kunden wollen nichts über Kompetenzstreitigkeiten ihrer Dienstleister hören – sie sind nicht die ersten Ansprechpartner, da sie von den technischen oder konzeptionellen Hintergründe dieses Konfliktes in der Regel nichts verstehen und auch nichts verstehen müssen. Ihr solltet dem Verursacher der Probleme zuerst die Chance geben, Kompetenzlücken zu erkennen. Nur selten steckt Ignoranz oder Arroganz hinter diesen Lücken. Viele Kollegen kommen mit ihren Lösungen immer wieder durch – ohne Widerstände aus der Frontend- und der Webdesigner-Ecke. Der Kollege weiß also oft gar nicht, dass seine Lösungen nicht professionell sind.

Illustration: Honoré Daumier - »Literarische Diskussion auf der zweiten Galerie«

Illustration: Honoré Daumier - »Literarische Diskussion auf der zweiten Galerie«

Zeigen statt erklären

Als Web-Experte wollt ihr die richtigen Lösungen nicht nur vorschlagen und umsetzen, ihr solltet dafür sorgen dass der »Unwissende« dieses Vorgehen auch mitträgt. Der schnellste und beste Weg führt hier über die Einsicht, dass es medienspezifische Kompetenzen für das Web gibt.

Wie im Kundengespräch solltet ihr gegenüber diesen Kollegen lange Erklärungen unterlassen – zeigt stattdessen, was eine standardkonforme Webseite ausmacht. Demonstriert das Zusammenspiel von Stilvorlagen und Seiteninhalt. Das kann eine fremde oder eigene Referenz sein, oder ihr zeigt ein paar Beispiele aus dem alten CSS Zen Garden. Auf Fachbegriffe wie Markup und CSS könnt ihr im Zweifel sogar verzichten.

Ähnliches gilt für barrierefreies Webdesign: öffnet eine schlechte und eine gute Seite als Tabs, schaltet dann bei beiden Seiten CSS und Bilder ab. Das visuelle Ergebnis spricht meistens für sich.

Nur, wenn sich der standardbefreite Kollegen anschließend noch lernresistent zeigt, ist ein Konflikt und der direkte Gang zum Kunden oder dem Projektleiter in der Agentur unausweichlich. Trotzdem gilt: sucht auch hier zunächst ein gemeinsames Gespräch, zusammen mit dem Kollegen.

Zum Autor

Nils PookerNils Pooker arbeitete selbstständig im Kunstbereich und ist seit 2001 freier Webdesigner. Als Fachbuchautor hält er Vorträge und schreibt regelmäßig über Kommunikation, Wahrnehmung, Webstandards und Webdesign.

Info:
Der Umgang mit standardbefreiten Kollegen ist Beitrag Nr. 694
Autor:
Nils Pooker am 10. Dezember 2009 um 07:00
Kategorie:
Adventskalender 2009

Kommentare

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  1. 1.

    Das Thema "Wie erreichen ich das meine Kollegen auch standardkonformes HTML schreiben" ist sicherlich so wichtig wie auch nötig, da bin ich mit dir einer Meinung. Allerdings finde ich diesen Artikel, dessen Überschrift auch lauten könnte: "Mein Kollege ist spielsüchtig, wie kann ich ihm helfen." inhaltlich etwas dürftig. Drüber reden und zeigen und bei nicht Erfolg die nächst höhere Instanz mit einzubeziehen ist das Vorgehen bei vielen Problemen. Wünschenswert wäre es gewesen andere Lösungswege aufzuzeigen wie z.B. interne Schulungen, einen agenturweiten Codingstyleguide oder einen Qualitätscheck den Produkte bestehen müssen, und ohne den Webseiten nicht live gehen.

    Kommentar von Thorsten Daners - 10. Dezember 2009 um 08:38

  2. 2.

    Nach über 10 Jahren in der Branche kann ich behaupten, dass das drüber reden und es wird schon in den meisten Fällen leider nur ein Wunschtraum ist.

    - erklärt man dem (ehemaligen Print-)Kollegen, dass Web nicht Print hinter Glas ist, bekommt man i.d.R. ein "ich hab das immer schon so gemacht und es hat sich noch nie jemand beschwert, außerdem sieht die Seite (Photoshop Slizes oder Fireworks Export) so in allen Browsern gleich aus"

    - erklärt man es dem Projektleiter/Vorgesetzten/Agenturchef heißt es "so geht es schneller und den Kunden interessiert es eh nicht"

    Egal wen man anspricht, man ist i.d.R. immer der Blöde.

    Kommentar von Mo - 10. Dezember 2009 um 09:12

  3. 3.

    @Thorsten
    Das Problem ist ja, dass viele Webentwickler nicht mal das Gespräch suchen, sondern auf fachlichen Konfrontationskurs gehen oder gleich resignieren. Aus gutem Grund: die von Dir angesprochenen "agenturweiten Codingstyleguides und interne Schulungen" sind ein konzeptioneller Idealfall, der in der Praxis oft nur den Charakter einer Absichtserklärung in der "Unternehmensphilosophie" einer Agentur hat. Der Blick auf die Websites großer Unternehmen beweist das doch jeden Tag. Da bekommt der Frontendentwickler immer wieder schulterklopfend finale Entwürf mit dem Hinweis auf den Tisch "Jaja, vielleicht nicht optimal in Ihrem Sinne gelaufen, aber die Zeit drängte und Sie machen das schon".

    Ganz zu schweigen von den Freelancern und Selbstständigen, die kaum realisierbare und webfremde Print-Konzepte von so genannten "Full-Service-Agenturen" ungefragt umsetzen sollen.

    Kommentar von Nils Pooker - 10. Dezember 2009 um 09:22

  4. 4.

    Hm, also ich kenne das ganze anders. Ich sehe die Konformität als Qualitätsmerkmal, welche uns von Billigheimern und Pfuschern unterscheidet.
    Deswegen ist es nicht nur eine Absichtserklärung, wie du es so schön benannt hast, sondern wirklich eine Unternehmensphilosophie. Der Blöde ist derjenige, der sich nicht dran hält. :)

    Kommentar von Thorsten Daners - 10. Dezember 2009 um 09:40

  5. 5.

    Wenn der Beitrag von Nils ist, wieso steht dann drunter: "Autor: Nicolai Schwarz"?

    Kommentar von Christian - 10. Dezember 2009 um 10:52

  6. 6.

    @Christian: Weil derjenige, der den Artikel schreibt ihn nicht unbedingt ins Wordpress einpflegt und es dann schon mal vorkommt, dass man vergisst den Autor umzustellen. Habe es geändert.

    Kommentar von Eric Eggert - 10. Dezember 2009 um 10:54

  7. 7.

    @Eric: Das dachte ich mir ;-) Wollte euch auch nur drauf aufmerksam machen.

    Kommentar von Christian - 10. Dezember 2009 um 11:06

  8. 8.

    (Auch) Für solche Zwecke gibt es ja zum Glück die WebDeveloper Toolbar. Einfach CMD+Shift+S gedrückt und das CSS ist raus.

    Dann muss man nur noch dem schlechten Coder erklären, dass es NICHT gut ist, wenn die Seite genau so aussieht, wie mit aktiviertem CSS..

    Kommentar von Philipp - 10. Dezember 2009 um 12:10

  9. 9.

    Ein ähnlicher Artiekl heute im Smashing Magazin und irgendwie mit praxisrelevanteren Tipps!

    How To Explain To Clients That They Are Wrong

    Kommentar von christian - 10. Dezember 2009 um 15:48

  10. 10.

    @christian: danke, der Artikel ist sehr gut. Da geht es aber um Kundenansprache, nicht um Kollegen. Die Adventskalenderartikel hier haben auch alle nur 400 Wörter, Sam Barnes' Artikel hat ein paar mehr ;-)

    Kommentar von Nils Pooker - 10. Dezember 2009 um 16:05

  11. 11.

    "Du arbeitest unprofessionell und bist standardbefreit" — auch unausgesprochen gewinnt man mit diesem Ansatz im Kollegenkreis gewiss an Achtung. Achtung da kommt er.

    Kommentar von Ingo Chao - 10. Dezember 2009 um 20:28

  12. 12.

    Falls

    der direkte Gang zum Kunden

    wirklich eine denkbare letztmögliche Lösung ist, sollte man aber gleihc anschließend darüber nachdenken, ob man weiterhin in einer standardbefreiten Umgebung arbeiten kann und/oder möchte, und mit welcher Priorität man sein Faible für Standards im Vergleich zu Einkommen am Monatsende und Auskommen mit Kollegen setzen will.

    Ich find's krass, auch als ultima ratio.

    Kommentar von Robert - 11. Dezember 2009 um 06:30

  13. 13.

    @Robert Dieser Schritt ist natürlich eher für Freelancer und Selbstständige die ultima ratio, in der (kleinen) Agentur ist das auch nur dann sinnvoll, wenn man den gleichen Kontakt zum Kunden hat wie z. B. der Konzepter. Ich habe deshalb versucht darzulegen, dass zuerst und immer das Gespräch mit den Kollegen am wichtigsten ist. Ohne Fachidiotie, Unterordnungsversuche und mit nachvollziehbarer Demonstration der Qualität. Trotzdem muss man sich der Frage stellen, wie weit man sein eigenes Selbstverständnis verbiegen will und kann, wenn nichts mehr geht.

    Kommentar von Nils Pooker - 11. Dezember 2009 um 09:16

  14. 14.

    Ich habe den Eindruck gewonnen, dass freiberufliche "Kreative" standardkonformer denken als ihre angestellten Mitstreiter.

    Dies mag vielleicht daran liegen, dass dort eher Qualität abgefordert wird, weil man ja bei einem Fixpreis-Angebot sehr bequem den inHouse Frontendler nörgeln lassen kann und dann Nachbesserung verlangt. InHouse würde das ja nur wieder Zeit kosten, die man leider vergessen hat einzuplanen.

    Ich persönlich habe beide Seiten kennenlernen dürfen, welche sich derzeit von der Anzahl her 50-50 die Waage halten.

    Ich kann nur sagen, dass die Arbeit mit ECHTEN Screendesignern sehr viel Spass macht, da man sich auf seine eigene Arbeit konzentrieren kann und nicht immer wieder über die "Unfähigkeit" und das "Nicht-Mitdenken" aufregen braucht.

    Wenn ich die Wahl habe, nehme ich auf alle Fälle einen Freelancer für die Kreativ-Leistung.

    Kommentar von Marko Röper - 13. Dezember 2009 um 18:20

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